Buschfunk

'54, '74, '90 & 2014

Jaoll ja! Den Titel haben ir eingeammelt. Endlich! Verdient noch dazu und auch ich habe meinen Teil dazu beigetragen und ein "W" und ein "S" gependet. Diee zei Buchtaben funktionieren nämlich auf meiner Tatatur nicht mehr. ie auch. Ich habe ie chließlich nach Rio entandt, um jetzt im "iegerflieger" nach Berlin zu itzen. Da "S" neben cheinteiger und da "W" ganz vorne im Cockpit beim eltmeiterlichen Pokal. Gerade da "W" it al eltmeiter ja nicht ganz unichtig!
Nun ja. Ihr leht jetzt alo den letzten Blogeintrag al äßet ihr beim Zahnarzt, aber keine orge. Ihr acht au keiner Narkoe auf und e urde auch nicht gebohrt.
Da Finale hier auf der chmucken Inel "Ilha de Maiandeua" mitzuerleben ar... intereant. Zunächt einmal habe ich den Anpfiff verpat, da mir niemand geagt hat, da da piel chon um 16 Uhr logeht. Freunde da mu man mir doch agen, oder e urde mir geagt und ich hab' nicht kapiert, kann auch ein. Jedenfall hatte ich mich chon geundert., da hakira chon 3! tunden vor Anpfiff olch einen Krach macht. Und dann Puyol ne gute tunde vor dem Anpfiff auf Feld zu laen, um den Pokal zu präentieren, fand ich auch übertrieben. a machen die denn jetzt noch ne ganze tunde? Ich hab mich nochmal hingelegt und zack gab' die Hymnen. Ach du jemine, jetzt aber chnell. Allerding ollte ich nicht im Hotel bei der netten Herbergmutti gucken. Die it o reizend, da ie noch gar nicht gemerkt hat, da ich ie gar nicht vertehe. Und ie hat echt ne Menge zu berichten...
Auf zum trand und in der 5. Minute ar ich dann endlich in einer Bar angekommen die da piel zeigte. Zar auf einer 4:3-Röhre. a bei Ecken manchmal ein enig blöd ar, aber irgendie ar da auch charmant. Die Muli-Taxifahrer aren alle auf meiner eite und ir hatten echt ne itzige Zeit. Am Ende gab' den Trikottauch, Foto mit elbtgebateltem Pokal und ich habe einen Augegeben. 2 Liter Cola. ar ihr unch. ahrcheinlich eil die alle noch fahren muten...
o, ich denke mehr kann ich euch echt nicht zumuten in dieer Zahnloen-prache. Mehr gibt' dann bald perönlich, er ill.
Ach ja ein noch: E ar mit eine Freude, hat viel paß gemacht und ich hoffe ich konnte euren Anprüchen gerecht erden. Nicht immer ar ich o chnell hier online ie ich elbt ollte und icherlich hätte man viele ander und einige beer machen können. Am Ende aber bin ich einmal quer durch da ganze Amazonagebiet gereit, von der kolumbianichen Grenze bi zum Atlantik, habe bei Einheimichen gechlafen, mit ihnen Fußball geguckt und verucht den Blickinkel o oft e geht zu ändern. Eben zu chauen ie im "Abeit" Brailien die M verfolgt ird. Ich habe dabei ahninnig viel Untertützung von Menchen bekommen die ich nicht kannte und ohl auch nie ieder ehen erde. Von Fußballfan, Familienvätern, itznachbarn - eben von ganz normalen Menchen die mir über den eg liefen. Ich kann am Ende niemandem empfehlen durch ein Land zu reien ohne enigten ein klein enig die prache zu prechen, aber enn ihr doch mal zufällig in diee Verlegenheit kommen olltet, kann ich euch hier und jetzt den Zahn ziehen, da e nicht funktioniert. Doch e geht!!!
Danke an alle eggefährten, die da hier nie leen erden, Ihr art mir eine ungeheuer große Hife, ohne die ich ahrcheinlich jetzt noch auf dem Amazona irgendo im Krei fahren ürde.

Bi bald zurück in Alemanha,

Marku

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...Ich habe gerade verucht ein paar Foto hochzuladen, aber für Bilder it da Inelnetz hier ohl leider zu chach. Ich hole da in Belem nach!
 

Ein letztes Mal ins Abseits

Die letzten Tage hier in Belém waren eher ruhig. Nach der 1:7 Mega-Klatsche befindet sich die Stadt, und sicherlich auch das ganze Land, in kollektiver Schockstarre. Die Brasilianer wollen nur noch, dass es vorbeigeht und das möglichst schnell. Für mich geht's nochmal etwas weiter. Ein letztes Mal biege ich ins "Abeits" ab, bevor nächste Woche die Rückkehr ins schöne Leipzig ansteht. Für das Finale habe ich mir ein Örtchen ausgesucht, das wie ich finde perfekt passt: Maracaña. Während Deutschland also im Maracaña um den Titel kämpft, schaue ich in Maracaña von Ferne zu. Hoffe ich zumindest, denn die Ortschaft liegt auf der Ilha do Algodoal, einer Insel ohne Strom. Morgen heißt es dann: Erst den richtigen Bus treffen, und dann einen Fischer überreden, mich rüber zu paddeln. Bin schon sehr gespannt was das gibt, aber viel wichtiger: 3:2 n.V. für Jogi!
Ein super tolles Finale Euch allen!!!

Jogo bonito - die deutsche Version

Klose, Klose, Ballack, Jancker, Klose, Bierhoff, Schneider, Linke:
Wer kennt sie nicht mehr? Das waren unsere fleißigen Torschützen gegen Saudi-Arabien beim WM-Auftakt 2002, als wir bis ins Finale kamen und Ronaldo uns schlussendlich den Pokal entrissen hat (bzw. der Pokal von Oliver Kahn übergeben wurde).
Das Ergebnis von gestern kennt mittlerweile die ganze Welt, aber wie sie hier in Belém in der Zeltdachbar mit mir umgegangen sind war schon toll. Ich war der einzige Deutsche und das wusste spätestens in der Halbzeitpause auch der ganze Laden. Aber anstatt mich zu verfluchen, gab's den nach oben gestreckten Daumen, Brasiliens Universalgeste. Dazu beigetragen hat übrigens auch das deutsche Trikot. Ein ganz geschickter Schachzug, denn es erinnert sehr stark an das Leibchen von Brasiliens berühmtesten Klub Flamengo Rio de Janeiro. Da sich mein Portugiesisch in den letzten Wochen von "nicht vorhanden" auf "unfassbar schlecht" stark verbessert hat, gab's so gut wie keine Verständigungsschwierigkeiten mehr. Wir haben über fehlende brasilianische Typen wie Ronaldo, Romario, Zico, Roberto Carlos, Cafu, Carlos Dunga oder Pelé gesprochen, über das tolle Kombinationsspiel der Deutschen, das sie selbstverständlich von den Brasilianern aus besseren Tagen kopiert haben, über Sepp Blatter, die FIFA und die viel zu hohen WM-Kosten, über Beckenbauer, Schwarzenbeck, Ronaldo und Klose, über Rivalitäten, Ausschreitungen und Hooligans und über das anstehende Finale gegen Holland. Da sind sich die Brasilianer in der Bar sicher, dass es nicht Argentinien wird, aber sie waren sich auch sicher, dass es nicht Deutschland wird...
Sollte Argentinien doch ins Finale kommen, musste ich versprechen, dass Deutschland Weltmeister wird. Es wäre nicht auszudenken, wenn Argentinien den Pokal ins Nachbarland schleppt. Newton (so hieß mein Sitznachbar wirklich) konnte sich nämlich noch viel zu gut an 1950 erinnern, als Uruguay in Rio den Janeiro Weltmeister wurde. "So etwas darf es nie wieder geben." Newton lacht dann sogar tatsächlich kurz als es schon 0:6 stand und erinnert sich an 2010, als Brasilien bereits ausgeschieden war und Deutschland beim 4:0-Viertelfinalsieg gegen Argentinien alle Tränen getrocknet hat. Sein Freund Aron packt dann noch einmal meinen Arm und gibt mir zu verstehen, dass das ganz wichtig ist: "Argentinien darf nicht Weltmeister werden in Brasilien!! Aber die haben eh nur Messi und di Maria und Holland mit Sneyder, van Pesie und dem überragenden Robben werden die Sache schon regeln." In dem Moment schießt Schürrle das siebte Tor und selbst zum Fluchen sind alle zu schwach. Das Spiel hat die komplette Energie aus der Bar gezogen und wahrscheinlich aus dem ganzen Land. Zur Stärkung spendiere ich Pommes und Caipirinha für Newton, Aron und seine Frau Suzanne die schon seit Stunden keine Lust mehr hat und nach Hause will, aber warten muss bis Aron gehen will.
Am Ende verabschieden wir uns mit dem Versprechen, dass Argentinien nicht Weltmeister wird und Deutschland gegen Holland gewinnt.

Gerade jetzt lerne ich Andrés kennen, Brasilianer und natürlich sauer. Er fragt ob wir ein Bier trinken gehen wollen und da er der Einzige hier weit und breit ist der Englisch spricht, gehe ich da mal besser mit. Nicht das sich am Ende mein Portugiesisch noch auf ein einfaches "hundsmiserabel" verbessert. Er glaubt übrigens, dass Argentinien nachher gewinnt. "Die haben in den entscheidenden Spielen den stärkeren Siegeswillen."
Na ich bin gespannt.

Brasil vs. Alemanha

Na bitte: Alle haben brav das Drehbuch gelesen und sich im Großen und Ganzen daran gehalten. Kolumbien und Frankreich bekommen noch einmal warmen Szenenapplaus und dann heißt es: Freuen wir uns auf das Halbfinale gegen Brasilien
Ich habe die Viertelfinals in Santarém geguckt, einer 300.000-Einwohner Stadt ebenfalls direkt am Amazonas. Leider führt der Fluss gerade Hochwasser, was  "Dresdener Verhältnissen" nach sich zieht, wenn die Elbe mal wieder ausrastet. Kleine Stelzendörfer stehen ebenso unter Wasser, wie die offenbar zahlreich vorhandenen Strände. Nun ja, bin ja nicht zum Planschen hier...
Untergekommen bin ich bei Julika und Georg, zwei freiwilligen Sozialarbeitern, die ein Jahr lang in einem Kindergarten arbeiten. Leider sind den ganzen Juli Ferien, so dass ich die Rasselbande nicht kennen lernen darf, aber sie versichern mir, dass hier ordentlich Action ist und die Arbeit viel Spaß macht. Das Deutschland-Spiel schauen wir zunächst in gemütlicher Runde in Nachbars Garten vor einer herrlichen Flachbild-Mattscheibe, wobei am deutschen Halbfinaleinzug niemand zweifelt und sich eigentlich alles nur um das Brasilien-Spiel dreht. 
Mit dem Motorrad-Taxi geht es dann zum Public Viewing. Der Tacho zeigte beständig 50 km/h an, auch wenn ich mir sehr sicher bin, dass diese 50 keine deutschen 50 sind..,
20 Minuten später stehen wir in einer Halle, die zu allen Seiten offen ist und von Wellblech bedeckt wird. Musikinstrumente stehen für die anschließende Party schon bereit und in der Halbzeitpause wird bereits auf Dienstag verwiesen: "Dienstag wiederkommen. Dann geht's gegen Deutschland." Das es noch eine 2. Halbzeit gibt ist absolut nebensächlich, schließlich hatte Thiago Silva per herrlichem Abstauber das 1:0 erzielt. "Da brennt gar nichts mehr an", denkt sich die ganze Halle - bis auf Thor. Der 20-Jährige hat sein Kolumbien-Trikot an. Ich kenne ihn vom Boot nach Manaus und er brüllt Kolumbien lautstark nach vorne. Seine Mutter ist Kolumbianerin, sein Vater Spanier, aufgewachsen ist Thor in Andalusien, jetzt lebt er in Frankreich und spricht 4 Sprachen fließend: Eine explosive Mischung, aber alles beten, fluchen und anpeitschen hilft nichts. Raus mit Applaus für Kolumbien.
Nach dem Abpfiff ist dann alles wie immer. Schnell wird die Glotze ausgestellt und die Forro-Party beginnt ohne auch nur noch ein einziges Interview abzuwarten. Forro ist ein Tanz mit folgenden Spielregeln: Die  Frauen müssen sich möglichst oft und spektakulär von den Jungs durch die Gegend wirbeln lassen, um dabei mit den Hüften eindrucksvoll zu zeigen, dass sie Brasilianerinnen sind. Das ganze Land scheint diese Art Tanz zu lieben. Ich kaufe mir eine Caipirinha und schaue mir die Sache mit etwas Abstand an. Fazit: Lerne ich in diesem Leben nicht mehr, sieht aber wirklich gut aus.
Morgen geht es weiter nach Belém, wo ich dann die Halbfinals sehen werde. Es ist die letzte Etappe, bestehend aus zwei weiteren Tagen Boot fahren, bevor mich der Amazonas in den Atlantik spuckt.
Ach freue ich mich auf das Halbfinale! Deutschland in Brasilien gegen den Gastgeber und das ohne Neymar und ohne Thiago Silva. Besser kann es doch gar nicht laufen. Die Schuldigen für das Halbfinal-Aus sind damit bereits gefunden. Ganz Brasilien beklagt sich abwechselnd über Trainer Felipe Scolari, der den ja auch gelb vorbelasteten Neymar beim Stand von 2:0 hätte auswechseln müssen, und beim Kolumbianer Zuniga, der in der 88. Minute DEN Hoffnungsträger des Landes zertreten hat. Die Alibis sind damit verteilt und Brasilien kann sich erhobenen Hauptes aus der Meisterschaft verabschieden. Immer die Worte auf den Lippen: "Ja aber wenn..." Dienstag wissen wir dann, ob auch alle brav das Drehbuch gelesen haben. Nicht das Hulk, Fred und David Luiz am Ende irgendwelchen Schabernack treiben, der nicht abgesprochen war. Schließlich ist es gute Sitte, sich als Gastgeber im Halbfinale gegen den kommenden Champion zu verabschieden!

Offtopic:
Ich wurde nach dem Essen gefragt: Es ist vor allem süß. Kaffee und Säfte werden in Zucker gebadet bevor sie in den Mund wandern dürfen. Das ist leider wirklich fies, aber als ich einen Mango-Guave-Limetten-Saft bestellt habe, und mit Nachdruck daraufhin wies keinen Zucker reingepanscht bekommen zu möchten, war die gute Frau fast schon beleidigt und fragte danach auch zweimal ob es schmeckt. "Ja, es ist verrückt. Es schmeckt nach Mango und Guave und Limette... großartig!". Hat sie nicht geglaubt und in den nächsten Saft meine Portion Zucker zufrieden on top mit untergemischt.

Ó meu Deus

Das habe ich heute gehört. Immer und immer wieder und auch ich habe mir bei dem brasilianischen Gerumpel gegen Chile oft die Hand vor den Kopf geknallt. Man war das finster. Aber Brasilien durfte noch nicht verlieren. Die Zeit kommt, ganz sicher, aber noch nicht. Zum einen habe ich vorhin erst satte 10 Euro in ein Brasilien-Trikot investiert und zum anderen soll die Partystimmung noch nicht vorbei sein. Aber Favorit sind die grätschenden Ballverweigerer mit den lustigen Haaren längst nicht mehr. Oft hört man Holland, oder Deutschland, wobei dabei dann die Skala zwischen absolutem Triumph und maximaler Enttäuschung auch noch einmal komplett ausgereizt werden würde. Aber egal: Brasilien muss erst wieder Freitag ran und da bleiben wenigstens noch ein paart Tage Sambastimmung, denn eines haben sie hier gelernt: Ganz schnell vergessen. Abpfiff, Ton aus, Sambatänzerinnen ran und fertig ist der Gute-Laune-Cocktail.

Vorher allerdings gab es ja  noch das glatte 4:1 gegen Kamerun und davon wollte ich eigentlich erzählen. Auf dem Weg an den Rand des Dschungels, im hintersten brasilianischen Eck direkt an der Grenze zu Kolumbien, wo Mensch und Natur sich friedlich ein wirklich schönes Stückchen Erde teilen, wird tatsächlich geguckt - und zwar mit Hingabe. Es gibt keine Stromleitungen, aber dafür benzinbetriebene Aggregate die für die WM missbraucht werden. "Dafür sitzen wir dann heute Abend im Dunkeln, aber das ist okay", hörte ich auf meinem Weg durch die Wagenkolonie des Öfteren. Nur Nazareh guckte in die Röhre (bzw. genau da nicht hinein). Da ihr Mann es nicht schaffte das Aggregat zu reparieren und selbst in die Stadt abdampfte um zu gucken, blieb sie alleine zurück. Irgendjemand musste ja ihren kleinen Einkaufs-Wagen-Laden bewachen...
Wir sind dann auch in die Stadt und nach dem Sieg wurde in Tabatinga natürlich tüchtig gefeiert. Ein Mopedkorso vom Feinsten und einen Tag später hat Kolumbiens Seite der Stadt namens Leticia entsprechend nachgezogen. Ich will nicht wissen was jetzt da los ist, nachdem beide Teams vorhin nacheinander gewonnen haben, und ich ärgere mich schon ein wenig, am kommenden Freitag nicht dort zu sein, wenn sich die beiden Lager beim direkten Viertelfinalduell Nase an Nase gegenüberstehen werden. Ob es eine riesige Leinwand an der Grenze gibt, die von beiden Seiten benutzt wird? ich glaube nicht, aber auf einer Seite wird es eine ganze Nacht lang Motorrad-Korsos geben. Mindestens einen Nacht.

Ich aber bin schon wieder in Manaus, aber dieses Mal nicht in 2 Stunden mit dem Flugzeug gekommen, sondern in 72 Stunden mit dem Boot über den Amazonas. Kann ich nur empfehlen. 3 Tage kein Handyempfang ist das Beste was einem heutzutage passieren kann. Es geschehen verrückte Sachen. Leute reden miteinander. Man haben wir diskutiert: Wie viele Tore Portugal braucht um die USA noch abzufangen, ob Deutschland gg. Holland im Halbfinale oder erst im Finale möglich ist, wer nun eigentlich gegen Griechenland ran darf/muss, wer das diesjährige Champions-League-Finale gepfiffen hat, warum Irland nicht dabei ist, und und und... Kein Internet bringt die Leute an einen Tisch. An einem saß der Domino-Opi und hat die Steine nur so knallen lassen. Ich check das Spiel nicht. Also zumindest die Punktevergabe ist mir ein Rätsel, aber ich guck gleich mal nach. Hab ja wieder Internet...
Wie das mit dem Fußball gucken lief? Ganz einfach! Es gab einen Fernseher. Über ein kleines Rädchen wurde bei jedem Richtungswechsel des Bootes die Satellitenschüssel auf dem Dach manuell neu justiert. Das war anfangs nervig und am Ende wurden wir schon leicht unruhig, wenn wir nicht wenigstens 1x pro Halbzeit drehen mussten. Nicht das Captain Iglo da oben eingepennt ist und wir mit dem Kutter auf den knapp 2000km irgendwo zwischen Niemandsland und Nirgendwo in die Brennnesseln dampfen. Das wäre schade, denn Mutti den Standort per Whattsapp mitteilen geht ja nicht. Ist aber auch nicht nötig gewesen. Wir fuhren artig unsere Kurven. Die Sonne ging direkt vor unserem Hängemattenlager brav auf und unter, und am Ende hatten wir auch ganz alleine alle Varianten rausgefunden, welchen Weg Deutschland bis zum Finale vor sich haben könnte. Mit Stift, Zettel und ganz ohne Papa Google. Genial!

Bis die Tage,
Markus

 

 

Jogo bonito

Ich bin so gespannt. Der Druck auf Brasilien beim gleich anstehenden Spiel gegen Kamerun ist immens. Schliesslich haben die Kroaten 4:0 gegen die Afrikaner gewonnen. Da sollte Brasilien als selbsternannter Topkandidat nicht weniger Tore schiessen. Ein Sieg alleine reicht schon lange nicht mehr, um die unzufriedene Bevoelkerung zu besaenfitigen. "Jogo bonito" wird gefordert. Schoenes Spiel und dazu bitteschoen auch erfolgreich!
2 Tage war ich in Tabatinga/Brasilien und da ist alles auf WM geeicht. In jeder Garage werden Motorraeder repariert und nebenbei laeuft der Fernseher. Selbst die Kassierin im kleinsten Supermarkt hat einen stattlichen Flat-TV hinter sich aufgebaut und hinter den Fenstern hoert man das staendig das eindringliche Kommentieren der 2 Jungs die abwechselnd ohne Pause die Spiele begleiten.Ich selbst bin im auessersten Westen des Landes. Genaugenommen schlafe ich gerade in Kolumbien, aber das verschwimmt hier alles im Dreilaendereck. Grenzkontrollen gibt es nicht zwischen Tabatinga und Leticia. Einzig 2 Fahnen und eine Wechselstube weisen darauf hin, dass es jetzt nicht mehr mit Reais, sondern mit Pesos weitergeht. Ich bezahle trotzdem in Reais und komme staendig durcheinander.
Ich bin in Leticia bei Juan und seiner Familie gelandet. Juan ist Englischlehrer und hat ein kleines Haus ausserhalb der kolumbianischen Grenzstadt Leticia. 3 Haengematten sind sein Luxus, seine 2 Jahre alte Tochter sein ganzer Stolz. ich helfe ihm einen Zaun im Garten zu bauen und er zeigt mir wo die Einheimischen Essen und Spiele gucken. Ueblich ist es bei Einheimischen zu Hause in Mittagskuechen zu essen. Kleines Schild an die Tuer, Tagesgericht fuer ca. 2 Euro inklusive Suppe und Getraenk anpreisen und fertig. Eben gerade haben wir zu 4. mit Juans Frau und Tochter geschaut und dabei die 2. Halbzeit der Hollaender gegen Chile geguckt. Neben uns die Dorfpolizei und alle waren geschlossen fuer Chile. Ich auch!
Den Ausgang kennen wir, aber eigentlich ist es auch egal, denn alle machen sich gerade fertig fuer DAS Spiel des Tages. Die Kleinsten bekommen gelb-gruene Herzchen auf die Wange gemalt, die Aelteren schmuecken ihre Mopeds und Motorraeder mit Fahnen. Es geht in einer Stunde los und wir sind von Koechin Cynthia eingeladen worden bei Freunden von ihr zu gucken. Klasse, das wollte ich!
Vorher aber habe ich Juan eine Aufgabe gegeben, denn er weiss warum ich hier bin. Wir suchen einen Brasilianer der das Spiel nicht guckt. Alle die wir fragen finden, dass das eine wirklich bloede Idee ist, da eh jeder guckt, aber Juan hat eine Idee. Quasi durch die Hintertuer Kolumbiens kommt man in eine Gemeinschaft die wieder zu Brasilien gehoert und vom Dschungel auf der einen Seite und der Grenze zu Kolumbien auf der anderen Seite begrenzt wird . Die Leute die da Leben reklamieren zwar das Paradies fuer sich direkt neben unendlich viel gruen, aber haben keinen Strom. Kein Strom - kein  Fernseher. Das zumindest ist meine Idee. Ich bin gespannt ob ueberhaupt wer da ist. Juan will mir die Gemeinschaft zeigen und wir suchen die Haeuser ab. Gibt es wirkich jemanden aus Brasilien, der nicht guckt??
Danach geht es zu Cynthias Freunden. Das wird sicher toll. 
Ich hoffe schwer, dass Brasilien endlich zeigt was sie drauf haben, damit die Partie noch lange andauert.
Ich werde hier wieder berichten was bei dem Trip ins Paradies am Dschungel herausgekommen ist, bevor dann ein paar Tage auf dem Boot auf dem Amazonas anstehen. Wie wird da geguckt? Das aber ist das Thema von Uebermorgen. Ich muss los. Jogo bonito geht gleich los, hoffentlich...
Bis bald,

Markus

Endlich da und endlich!

Das Internet ist sehr schwach hier. Fotos hochladen dauert eine Ewigkeit, daher nur eine kleine Auswahl aber ich denke das ist okay.
Manaus macht Spaß. Die Leute sind nett, die Stadt hat sich herausgeputzt. Aus Mülltüten in mühevoller Kleinarbeit gearbeitete Girlanden zieren die Straßen. Public Viewing gibt's auf dem Platz neben dem Teatro Amazonas. Dass in dem nicht ganz perfekt schallisolierten Opernhaus ein Konzert stattfindet, während draußen Trommler für WM-Stimmung sorgen, juckt niemanden. Schließlich ist WM. Die freie Zeit zwischen, vor und nach den Spielen wird genutzt, um die WM-Finals der Brasilianer und die aktuellen Spiele zu wiederholen. WM, WM, WM 24 Stunden lang. Ab und zu nur macht jemand darauf aufmerksam, dass im Herbst Wahlen anstehen und es ungeheuer wichtig ist, seine Stimme abzugeben.
Mit Theo und Danielle habe ich zwei Einheimische gefunden, die mit mir englisch sprechen, mir die Stadt zeigen und beim Public Viewing ein paar Spiele gucken. Den Manauara, wie die Einwohner der Stadt genannt werden, geht es besser als den Menschen in anderen Städten, und so können die Leute hier die WM eher genießen. Außerdem sieht man es pragmatisch nach dem Motto: "Die Zeche ist bezahlt, dann können wir die Party auch feiern." Keine Demonstrationen, keine Gewalt, keine Auseinandersetzungen. Sobald rauskommt, dass ich aus Deutschland bin, kramen die Leute ihre Sprachkenntnisse raus. "Guten Tag", "Beckenbauer", "Super", "Beckenbauer"... Die Sprache des Fußballs verbindet tatsächlich Menschen, die keine Ahnung haben wie sie sich unterhalten sollen. Das gefällt mir. Ich antworte dann mit "Tudo bem" und "Garrincha". Der ist zwar schon über 30 Jahre tot, war aber zweimal Weltmeister. Den vergisst hier niemand, und ich ernte den nach oben gestreckten Daumen.
Dass ich ins Stadion zum Spiel Kroatien gegen Kamerun kam, war nicht geplant. Der Flug nach Tabatinga wurde kurzfristig verschoben, und so habe ich auf dem Schwarzmarkt ein günstiges Ticket ergattert. 30 Euro finde ich fair, zumal der reguläre Preis nicht günstiger ist.
Der Grund: Das Stadion ist nicht ganz voll - mein Glück!
Die Stimmung in der Arena Amazonia ist herrlich. Alle tragen voller Stolz ihre gelben brasilianischen Trikots und freuen sich über alle der 4 kroatischen Treffer. Dass damit die Erwartungshaltung an die eigene Mannschaft Kamerun auch mindestens mit 4 Toren Unterschied zu schlagen enorm ist, versteht sich von selbst. Es ist jetzt 12.30 Uhr Ortszeit. Ich muss los, um nach Tabatinga zu kommen. Bis bald. Até breve

Erste Erkentnisse:

Holland ist dabei, Griechenland bald raus und die Torlinientechnik bleibt bis zum Schluss. Costa Rica ist das neue Uruguay, Japan braucht einen Captain Tsubasa und Pirlo rennt wenig und spielt riesig. Brasilien trifft überall, Robben trifft wie er will und Rooney will auch endlich mal treffen.

Die WM gefällt mir! Viele Tore, tolle Spiele, und trotz überraschender Ergebnisse viele Favoriten auf Kurs. Macht Spaß und ich bin gespannt wie es weitergeht. Morgen habe ich kein uneingeschränkt gutes Gefühl bei Deutschland vs. Portugal. Ich denke ein Unentschieden wäre ein gutes Ergebnis und meiner Meinung nach ein erster Schritt zum Gruppensieg. Wie wichtig der wäre werden wir aber frühestens Dienstag erfahren, wenn die Gruppe H mit den möglichen Achtelfinalgegnern Russland und Belgien ins Turnier eingreift. Wir werden sehen und ich mal langsam die Tache packen. In 42 Stunden geht es los nach Manaus!

 

Diese WM kommt aber auch echt überraschend...

Aus betrieblichen und Luftraumbeschränkungen während der WM wurden einige Anpassungen im Streckennetz notwendig. Wir bitten überprüfen Sie die Zeitpläne ihrer Flüge. Bitte überprüfen Sie Ihre Reservierung im www.voeazul.com.br Website oder telefonisch unter 4003-1118. Wir schätzen Ihr Verständnis und wünschen Ihnen eine gute Fahrt.

Bald geht's los

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Beim Impfen "all inclusive", Moskitonetz, noch ein Moskitonetz, Kamera, Batterie, noch eine Batterie, Telefon,... die Vorbereitungen laufen. In Tabatinga, Santarém und Belém habe ich Anlaufstationen. An denen in Manaus schraube ich gerade. Täglich ändert sich etwas. Die Vorfreude wächst, die Aufregung auch ein wenig. Nicht mehr lange und es geht los. Wie wird die WM im Abseits Brasiliens gefeiert und wahrgenommen. Ich freu mich auf die Reise einmal quer durch Brasilien.

Von Tabatinga nach Belem

Bald geht es los. Am 18.06. lande ich in Tabatinga und am 18.07. geht es aus Belem zurück nach Deutschland. Einmal vom westlichen brasilianischen Amazonasrand quer durchs Land bis zum Atlantik. 2600 km Luftlinie die zum größten Teil auf dem geschlängelten Amazonas zurückgelegt werden müssen.
Ich freue mich auf die Menschen dort und bin gespannt ob Sie die WM verfolgen, oder ob sie vielleicht froh sind wenn das Spektakel vorbei ist und man sich nicht mehr darüber ärgern muss, wie und wofür das ganze Fifa-Geld ausgegeben wurde.
Die Menschen dort haben sicherlich Probleme in den strukturschwachen Ecken des Landes, aber das heißt ja nicht, dass sie sich abends nicht doch gemeinsam treffen um zu schauen wie sich ihre Seleção durch das Turnier kämpft.
Ich kämpfe mich einmal quer durch das Land und werde an dieser Stelle so oft es geht berichten, wie die WM im Abseits Brasiliens verfolgt wird.

Wird super!!